Der letzte Tag im Hühnerleben - letzten Endes eine runde Sache

Wie verläuft der letzte Tag im Leben einer Hühnerherde? Der Tod gehört zum Leben. Dieser Gedanke ist meistens Tabu. Das verdrängt man allzu gerne. Wir selbst auch - wie uns bewusst wurde. Der Gedanke, jedes unserer Tiere einzeln zum Schafott zu tragen, quälte uns einige Zeit doch heftig. Nicht präsent im Vordergrund. Aber irgendwie kribbelig unterwegs. Nervosität deutlich spürbar. Immerhin ist uns als Landwirten vielleicht eher als manchem Chicken-MC-Nugget-Kunden klar, dass jedes Stück Fleisch auch mal ein lebendes Tier war und für diesen Teller sterben musste. Ach - Teller bei Mc Donald....quatsch...Entschuldigung - mein Fehler. Aber dennoch ist es nochmal etwas ganz anderes, selbst unmittelbar an der Tötung beteiligt zu sein.

Wir hatten die Mobilschlachterei Christian und Sabine Dodenhoff aus Rothenburg engagiert. Wir waren durch eine Reportage der Reihe Typisch vom NDR darauf aufmerksam geworden. Genau wie wir ein kleiner Familienbetrieb. Und genau wie wir absolut darauf bedacht, sich mit ihrer Arbeit nicht verstecken zu wollen. Wer Ehrlichkeit will muss die Wahrheit vertragen. Großschlachtereien fangen erst ab 1000 Tieren an, überhaupt mit uns zu reden. Und wer im Leben schon mal genug Mut hatte, selbst ein Huhn zu schlachten, hat uns an diesem Tag besucht, um sich den professionellen Betrieb und den Umgang mit dem Tier bei uns anzusehen. Für mich war es das erste Mal! Stefan ist Jäger und hat in seiner Landwirtschaftlichen Ausbildung den Sachkundenachweis für solche Tätigkeiten erworben.

Aber trotzdem war auch ihm etwas mulmig. Wir haben die Tiere im Stall gefangen und quer über den Hof getragen. Sie hatten Zeit, sich noch wieder zu beruhigen. Danach wurden sie aus der Kiste genommen, mit Strom betäubt und mit einem Kehlschnitt getötet. Brühen, rupfen, ausnehmen, sorgfältig in Kisten legen und nicht achtlos werfen. Respektvolle Behandlung, wo es nur geht. Nach kurzer Zeit merkte ich, wie eine riesengroße Anspannung von meinen Schultern fiel. In diesem Moment habe ich realisiert, wie viel Angst ich vor diesem Tag hatte. Und in diesem Moment war ich erleichtert, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die Achtung vor dem Tier und Achtung vor unserer Arbeit haben. Beim Mittagessen haben sie uns erzählt was auf manch anderem Betrieb zu erleben war und welche Komplikationen es auch geben kann. Und wieviel Glück letztendlich auch zu einem gelungenen Zyklus von Aufzucht, Leben, Arbeiten und Sterben eines Huhns und dem wirtschaftlichen Erfolg eines Landwirts gehört.

Es kann hohe Tierverluste durch Fuchs oder Habicht geben. Stallpflicht durch Vogelgrippe. Menschliche Hühnerdiebe oder Sabotage an der Stallanlage. Es kann Stromausfall oder Geräteschäden während der Schlachtung geben. Bauer oder Schlachter arbeitsunfähig durch Unfall oder Krankheit. All das blieb uns erspart. Aber auf all das muss man sich gedanklich und wirtschaftlich auch mal einstellen.- Wir haben Glück gehabt. Mensch und Tier. Und ab diesem Moment war es kein Problem mehr. Es muss so sein. Wir könnten keine Anti-Hatschi-Hühnersuppe essen ohne diesen Prozess. Und wir könnten, selbst wenn wir wollten, diese 300 Tiere nicht bis zu ihrem natürlichen Tod weiterfüttern, wenn Legeleistung und Schalenqualität nach 15 Monaten Hühner-Arbeitsleben nachlassen. Wir hatten aber Kunden, die die Hühner lieber lebendig kaufen wollten, um ihnen ein idyllisches Rentnerleben im eigenen Garten zu gönnen. Auch eine gute Idee.

Nun geht es an die Vermarktung. Auch die Preisgestaltung hat uns Kopfschmerzen gemacht. Ohne Kunden, die bereit sind, einen hohen Preis für ein Hühnerleben zu zahlen, können wir den Tieren kein schönes Leben bieten. Der Preis für ein Huhn ist bei uns fast dreimal so hoch wie im Supermarkt. Aber der Aufwand in der Haltung ist eben auch dreimal so hoch. Und das Hühnerleben dreimal so schön. Wird das akzeptiert? Spannend.

Wir hatten viel Geld für Öffentlichkeitsarbeit und Werbung ausgegeben und Bestellungen aufgenommen. Fleischer Andreas Witte und seine Frau Annika von der Meller Straße hatten uns Kühlwagen und Kisten geliehen und sich bereit erklärt, bei der Vermarktung zu helfen. 

Sind es nur Lippenbekenntnisse, dass die Menschen bereit sind, mehr Geld für Tierwohl auszugeben? Nein. Es gibt sie wirklich. Die Kunden, die unsere Arbeit wertschätzen und unterstützen. Es gibt Menschen, die bereit sind, sich für ein hochwertiges Essen einen halben Tag Zeit zu nehmen, um ein Suppenhuhn in eine Hühnersuppe zu verwandeln. Mit dieser Zeit erweisen sie dem Huhn, das ein Jahr lang für gute Eier gesorgt hat, die letzte Ehre. Ist das nicht ein schönes Gefühl und eine runde Sache?

Weil wir Samstag und Sonntag fast nur draußen oder im Kühlwagen waren, wurde uns von meiner Schwiegermutter Punsch und Kaffee vorbereitet. Suppe von meiner Schwester auf der Feuertonne warmgehalten und Torten von Freunden geliefert. Zwei 14-Stunden-Tage mit mindestens 4 Personen müssen einkalkuliert werden. Ohne Helfer, die uns einfach aus reiner Freundlichkeit und Nächstenliebe zur Seite stehen und unsere starke Familie wäre das gar nicht möglich. Unsere vier Kinder waren auch wieder alle am Start.

Ein Genuss. DANKE. Etliche Kunden haben diese unkomplizierte Gastfreundschaft mit uns geteilt und uns beim Verkauf Gesellschaft geleistet. Es war ein schöner unterhaltsamer Tag. Nun fehlt uns nur noch eins zum Glück. Die Rückmeldung unserer Kunden.

  • Wie seid Ihr mit dem Preis-Leistungs-Verhältnis zufrieden.

  • Was hat Euch gestört? Welchen Eindruck hattet Ihr von der Verpackung und der Fleischqualität?

  • Habt Ihr schon ein Rezept aus dem Heftchen nachgekocht?

  • Und das Wichtigste: WIE HAT ES EUCH GESCHMECKT?